Was ist Minimalismus?

Was ist Minimalismus?
Was genau ist eigentlich Minimalismus und wie definiert er sich?

Blogs über Minimalismus gibt es viele. In meinen Augen verstehen die meisten von ihnen den Minimalismus als Idee allerdings gänzlich falsch. Denn Minimalismus ist nicht nichts. Es ist vielmehr die Kunst, unwichtige Dinge aus seinem Leben zu verbannen und sich ausschließlich auf das Wesentliche zu fokussieren. Also auf das, was wirklich von Bedeutung ist.

Minimalismus hat demnach auch nichts damit zu tun, seine Gegenstände zu zählen und möglichst wenige davon zu besitzen. Was für ein Blödsinn! Minimalismus meint, sich auf das zu konzentrieren, was für das eigene Leben absolut notwendig und wichtig ist. Es geht bei der Idee eines Minimalisten also weniger um den reinen Verzicht, als vielmehr um die Einstellung, Überflüssiges auf natürliche Weise auszusparen. Weil es eben einfach keinen logischen Grund dafür gibt, selbiges im eigenen Leben überhaupt erst zuzulassen.

In meinem Blog gebe ich Tipps und Tricks für ein minimalistisches Leben, schreibe aus meinem Alltag als Minimalist und berichte von Dingen, die mir auffallen oder die in meinem Leben eine große Rolle spielen. Es geht um Minimalismus in seiner Gänze und vollkommen Vielfalt, jedoch nicht darum, Gegenstände zu zählen oder krampfhaft auf alles zu verzichten.

Weniger, aber besser

Das hier ist ein Blog über Minimalismus. Minimalismus meint nicht, alles bereits vorhandene wegzuwerfen und fortan nur noch mit einer einzigen Unterhose zu leben. Minimalismus meint, sein Leben nachhaltiger, durchdachter und sinnhafter zu bestreiten. Dazu gehören eine minimalistische und natürliche Ernährung, ein minimalistisches Wohnen, das Aussortieren überflüssiger Gegenstände sowie das Reinigen der eigenen Gedanken, was den Kopf frei für ganz neue Sinneseindrücke werden lässt.

Für mich bedeutet Minimalismus zudem »Weniger, aber besser«. Statt dreimal in drei Jahren einen billigen Tisch zu kaufen, mit dünner Tischplatte und aus minderwertigem Holz, welcher jedes Mal nach wenigen Wochen anfängt zu wackeln, suche ich lieber nach einem handgebauten Möbelstück von hoher Qualität. Ein Tisch, der mich unter Umständen deutlich mehr kostet, dafür aber auch ein Leben lang bei mir bleiben wird. Schon beim Kauf weiß ich, dass ich kein Wegwerfprodukt bekomme, sondern etwas, was für immer bei mir bleiben kann. Nicht muss.

Bessere, also hochwertigere Dinge, bedeuten weniger Konsum. Mehr Nachhaltigkeit und weniger kapitalistische Gedanken, bei denen es oft nur um das nächste tolle Produkt geht, welches niemand wirklich braucht. Das zu verinnerlichen und zu lernen, ist schwer. Teure Produkte sind zudem nicht automatisch hochwertiger oder gar besser als die günstigen. Beim Minimalismus geht es also auch darum, nicht alles sofort zu wollen, sondern sich die Zeit zu nehmen, genau das Richtige zu finden und für immer zu behalten. Oder zumindest für eine sehr lange Zeit.

Einfach leben

Zum Minimalismus gehört unweigerlich ein einfaches, bescheidenes Leben. Finde ich jedenfalls. Wer minimalistisch leben möchte, sollte darüber nachdenken, was wirklich von Bedeutung ist. Wer das versucht, der wird schnell feststellen, dass das gar nicht mal so viel ist. Nur sehr wenig im Leben ist wirklich bedeutungsvoll und das meiste würde einem nicht fehlen, wenn es von heute auf morgen nicht mehr da wäre.

Im Film Heat gibt es ein tolles Zitat, wie ich finde. Robert De Niro, in der Rolle des Kriminellen Neil McCauley, spricht davon, was passiert, wenn man sich als Verbrecher zu sehr an etwas bindet und häuslich einrichtet.

Häng dich an nichts, was du nicht problemlos in 30 Sekunden wieder vergessen kannst, wenn du merkst, dass dir der Boden zu heiß wird!Neil McCauley in Heat (Film)

Auch wenn damit innerhalb der Szene im Film natürlich etwas vollkommen anderes gemeint ist, so vermittelt es dennoch, rein auf die Worte bezogen, wie Gegenstände uns besitzen können. Was wäre denn, wenn ihr von jetzt auf gleich flüchten müsstet und nichts von all eurem Hab und Gut mitnehmen könntet? Würde die teure Couch euch fehlen oder wäre sie euch vollkommen egal, weil ihr längst verinnerlicht habt, dass sie ein ersetzbarer, in sich vollkommen wertloser Gegenstand ist.

Viele sind sich gar nicht im Klaren darüber, wie verbunden sie mit den Dingen um sich herum sind. Wie die Gegenstände sie besitzen, obwohl selbige vollkommen bedeutungslos und für sich genommen auch wertlos sind. Das Geld, das etwas kostet, bemisst zudem nicht den Wert, den es besitzt.

Minimalismus hat für mich daher viel mit dem Essenzialismus gemeinsam. Was ist essenziell für unser Leben und was nur das schmückende Beiwerk? Vieles nehmen wir im Alltag nicht als solches wahr und glauben, es würde wichtig für uns sein oder uns besonders viel bedeuten. Meist ist das ein Trugschluss und wir können auch hervorragend ohne diese Sachen auskommen. Doch die Angst vor dem Verlust ist oft immens groß. Auch wenn sie vollkommen irrational ist.

All das zu erkennen und die überflüssigen Aspekte aus dem eigenen Alltag zu verbannen, ist Teil eines minimalistischen Lebens. Mir geht es beim Minimalismus jedoch nicht nur um die Reduktion, sondern auch um eine gewisse Nachhaltigkeit. Was minimalistisch ist, sollte im Grunde immer auch nachhaltig sein, denn nur was nachhaltig ist, kann für immer bleiben und muss nicht zeitnah ausgetauscht oder ersetzt werden. Ebenfalls ein wichtiger Teil des Minimalismus.

Minimalismus ist …

Minimalismus ist nicht nichts. Das zu unterstreichen, ist mir zum Ende des ersten Beitrags in diesem Blog und meiner Definition des Minimalismus enorm wichtig. Wer Gegenstände zählt, krampfhaft seine Wohnung aufräumt oder ausräumt und versucht, weniger als alle anderen vermeintlichen Minimalisten zu besitzen, hat ein psychisches Problem, den Minimalismus in meinen Augen aber vollkommen fehlinterpretiert.

Minimalismus ist auch nicht, Zen-Bücher zu lesen, Bonsais zu pflegen und Steine im japanischen Garten zu harken. Oder sonst ein westliches Klischee von dem ach so minimalistischen und reduzierten Japan zu verfolgen. Das ist kein Minimalismus. Das ist die Suche nach etwas Neuem in einer bekannten und somit langweilig gewordenen Umgebung.

Minimalismus ist die Reduktion auf das Wesentliche. Mit viel Abstand zur Konsumgesellschaft. Das Hinterfragen von Anschaffungen. Das Anschaffen nur wirklich hochwertiger und langlebiger Objekte, die im Zweifel für immer bleiben können. Minimalismus ist das bewusste Leben mit wenigen Dingen, die im täglichen Leben dafür aber allesamt eine wichtige Rolle spielen.

Minimalismus ist jedoch ganz sicher kein krampfhafter Verzicht, kein Zählen von Gegenständen, kein permanentes Aufräumen und keine Anwendung neurotischer Verpackungstechniken innerhalb der eigenen Wohnung. Minimalismus ist ein durchdachteres, reduzierteres, nachhaltigeres und somit sinnhafteres Leben. Ganz einfach eigentlich.