Wipr 2: Minimalistischer AdBlocker für iOS und MacOS
Der minimalistische AdBlocker ist für mich schon immer eine essenzielle Angelegenheit gewesen. Schon vor über zehn Jahren habe ich festgestellt, dass AdBlocker zwar mitunter sehr viel blockieren können, sich jede Blockierung allerdings auch stark auf die Performance auswirkt. Typische Features, wie die Zählung von blockierten Elementen, klingen für viele Nutzer zwar erst einmal überaus spannend und sind vielleicht auch interessant, beanspruchen aber natürlich ebenfalls eine Menge Ressourcen für sich. Am Ende leidet auch die Akkuleistung stark unter einem AdBlocker und je mehr Features geladen und verarbeitet werden müssen, desto stärker ist der allgemeine Verlust.
All das führte bei mir schon vor Ewigkeiten dazu, dass ich einen minimalistischen AdBlocker bevorzugte. Auch, weil ich es leid war, ständig filigrane Einstellungen per Hand auszuwählen. Ich wollte eine Set and Forget Lösung. Installieren, aktivieren, vergessen. All das hatte ich in meinem Artikel »Minimalistischer AdBlocker« bereits verarbeitet und erklärt. Dort zeigte ich verschiedene Möglichkeiten auf, wie Werbung effektiv blockiert werden kann. Mein Fazit ist eine Kombination aus Wipr und NextDNS. Die ideale Zusammenstellung, um nahezu jegliche Werbung, auch im System oder innerhalb von Hintergrundanwendungen, nahezu vollständig zu blockieren. Jetzt ist Wipr 2 erschienen, der Nachfolger des beliebten AdBlockers für iOS und MacOS.
Wipr 2 testete ich bereits viele Monate in der Beta-Version. Doch einen Bericht oder gar Test über eine Vorabversion, kam für mich nicht infrage. Zu oft ändert sich Software im finalen Release noch oder bringt ein unangenehmes Geschäftsmodell mit sich. Mit dem offiziellen Release ist nun jedoch klar, was Wipr 2 ist, wie die Feature-Liste exakt aussieht und was der AdBlocker für die Performance und Akkuleistung eures iPhones oder MacBooks bedeutet. Zeit also, ein wenig darüber zu schreiben, was Wipr 2 auf iOS und MacOS alles zu leisten vermag und ob der Nachfolger von Wipr genauso gut ist wie die Ursprungsversion.
Universal App als Einmalkauf
Die gute Nachricht gleich zu Beginn. Wipr 2 ist im App Store von Apple eine sogenannte Universal App. Kauft ihr sie unter iOS, besitzt ihr auch die MacOS-Version und umgekehrt. Da inzwischen viele AdBlocker nicht mehr auf beiden Systemen existieren (viele beschränken sich auf das iPhone), ist das nicht nur sehr fair, sondern stellt auch gleich sicher, dass Wipr 2 für Safari auf allen Apple-Geräten gleichermaßen installiert werden kann. Einmal gekauft, darf Wipr 2 also sowohl unter iOS als auch unter MacOS installiert werden.
Über den Preis gibt es ebenfalls keine Diskussionen. Für gerade einmal 5,99 € erhaltet ihr nicht nur einen AdBlocker für iPhone und Mac, sondern auch lang anhaltenden Support. Ich lehne mich mit dieser Aussage mal mutig aus dem Fenster, denn auch Wipr hat jahrelangen Support genossen, trotz Einmalkauf. Die Entwicklerin ist da sehr engagiert und gehört zum alten Schlag, die solche Apps gerne ohne Abonnement anbieten möchte und sich dafür auch bei Wipr 2 entschieden hat. In Zeiten, in denen jede Mini-App ein Abo verlangt, ist das absolut lobenswert.
Ansonsten war ich bereits lange Teil des Beta Test von Wipr 2 und schon dort zeigte die Entwicklerin viel Engagement in Bezug auf Nutzer-Feedback und Verbesserungen. Hier wurde mal nicht am Anwender vorbei entwickelt, sondern der Beta Test wurde ganz gezielt dafür genutzt, Bugs auszumerzen und Feedback einzuholen, bevor die App veröffentlicht wurde. Die Release-Version hat nun ebenfalls zeitnah ihr erstes Update erhalten und es ist davon auszugehen, dass das, genau wie bei Wipr damals, so weitergehen wird.
Keine neuen Features
Neu in Wipr 2 ist so gut wie alles und doch irgendwie auch nichts. Der AdBlocker wurde von Grund auf neu programmiert, nutzt SwiftUI und die letzte Version der Safari Content Blocking Extension API. Ziel war nicht einfach eine neue App zu entwickeln, sondern die Erfahrung von Wipr direkt in Wipr 2 mit einfließen zu lassen, ein paar Kleinigkeiten zu verbessern, die Möglichkeiten für Blockierungen maßgeblich zu steigern und sinnvolle Optimierungen durchzuführen. Wipr 2 blockiert daher mehr als jemals zuvor, ist dabei effektiver und kommt in gewohnt idiotensicherer Umsetzung daher. Die grundlegende Funktionsweise ist somit gleich geblieben.
Wer Wipr kennt, für den ist Wipr 2 daher keine Überraschung. Wohl aber die Tatsache, dass mehr blockiert wird und das deutlich effektiver als zuvor. Neben Werbung entfernt Wipr 2 nun auch viele Cookie-Banner, Newsletter, Video oder App Pop-ups sowie noch einiges mehr. Auch die Updates der Blocklisten wurden in Wipr 2 abermals optimiert, um diese möglichst zeitnah und schnell bereitstellen zu können. Alles vollautomatisch, denn wie schon in Wipr, müsst ihr auch in Wipr 2 keinerlei Einstellungen wählen. Ist der AdBlocker aktiviert, blockiert er die Werbung einfach.
Die größte Veränderung betrifft jedoch Wipr 2 Extra. Die sogenannte Extra-Erweiterung hat noch einmal sehr viel im Vergleich zu Wipr dazugelernt. Damit werden Blockierungen möglich, die vorher undenkbar waren. Neben YouTube-Werbung sind auch viele weitere Ablenkungen Schnee von gestern. Wipr 2 Extra kann jetzt nämlich auch Elemente nach Inhalten blockieren, das Styling verändern oder eingebettete Scripte noch vor dem Ausführen entfernen. Da hat sich wirklich viel getan. Im Grunde bedeutet das alles aber nur, dass Wipr 2 so viel wie noch nie zuvor blockiert und das überaus effektiv.
Probleme mit Wipr 2
Was mich nach wie vor nervt, sich unter iOS aber nur sehr schwer lösen lässt, ist die Sache mit den Updates. Wipr 2 muss, genau wie Wipr, aktiv gestartet werden. Wurde die App einmal geöffnet, läuft sie über die Hintergrundaktualisierung weiter und sorgt dafür, dass sich die Blocklisten automatisch erneuern. Das ist wichtig, damit Werbung und Tracker immer bestmöglich blockiert werden. Selbiges geschieht aber nur dann, wenn die App weiterhin offen ist und nicht per Hand geschlossen wurde. Ihr wisst schon, per Wischgeste lassen sich Apps unter iOS auch schließen, wenn diese zum Beispiel abgestürzt sind. Wipr 2 dürft ihr auf dem iPhone also niemals aktiv wegwischen, sonst funktionieren die automatischen Updates nicht mehr.
Bei mir ist es zudem so, dass Wipr 2 sich, genau wie Wipr damals, nicht zuverlässig aktualisiert. Es funktioniert zwar, aber gelegentlich muss ich die App unter iOS doch noch einmal händisch öffnen, um das Update anzustoßen. Ich denke mal, die App wechselt auf dem iPhone in eine Art Ruhemodus, wenn sie sehr lange im Hintergrund läuft und nicht benutzt wird. Irgendwann sorgt das dann anscheinend dafür, dass auch die Updates der Blocklisten nicht mehr stattfinden. Unter MacOS habe ich dieses Problem logischerweise nicht. Dort läuft Wipr 2 überaus stabil und zuverlässig.
Es gibt aber auch Verbesserungen in Bezug auf derartige Probleme. Wipr 2 gibt nämlich sehr deutlich und sichtbar Hinweise aus, wenn etwas nicht stimmt oder nicht wie vorhergesehen funktioniert. Sind die Hintergrundaktualisierungen auf dem iPhone beispielsweise ausgeschaltet, zeigt der AdBlocker innerhalb der App einen Hinweis an, dass er keine automatischen Updates starten kann. Gleiches gilt für den Energiesparmodus. Ist dieser aktiviert, warnt Wipr 2 mich davor, da die Funktionsweise beeinträchtigt wird. Eine Wipr 2 Testseite zeigt mir zusätzlich an, ob der AdBlocker wirklich ordnungsgemäß funktioniert oder nicht.
Minimalistische Funktionsweise
Das Beste an Wipr 2 ist der minimalistische Ansatz. Als AdBlocker und App funktioniert Wipr 2 derart einfach, dass es schlichtweg keinen Raum für Fehler aufseiten der Nutzer gibt. Die App wird gekauft, installiert, aktiviert und arbeitet dann, ganz ohne euer Zutun, im Hintergrund und in Safari. Ihr müsst keine Einstellungen vornehmen und auch keine Blocklisten auswählen. Wipr 2 übernimmt das für euch. Welche Blockliste nun also besser oder schlechter ist, mehr oder weniger blockiert, alles Fragen, die ihr euch gar nicht erst stellen müsst. Danke dafür.
Wipr 2 ist damit angenehm einfach, wo andere AdBlocker unnötig kompliziert und komplex erscheinen. Vor allem der Verzicht auf Einstellungen sagt mir als Minimalist unglaublich zu. Weil ich auch einfach keine Lust habe, ständig nach neuen Filterlisten zu schauen oder zu vergleichen, was denn jetzt wirklich geblockt wird und was nicht.
Für Minimalisten ist Wipr 2 deshalb auch die wohl beste Wahl unter den AdBlockern. Hier gibt es kein Potenzial für Fehler. Der AdBlocker funktioniert einfach und einmal installiert und im Safari Browser aktiviert, könnt ihr ihn im Grunde auch gleich wieder vergessen. Werbung und Tracker werden geblockt, ohne dass ihr dafür erst etwas einstellen müsst. Fantastisch.
Barrierefreiheit ist hier normal
Was ich ziemlich gelungen finde, ist zudem, dass die Entwicklerin sehr viel Wert auf Barrierefreiheit legt. In der heutigen Zeit ist das enorm wichtig, zumal es oft gar keinen großen Mehraufwand bedeutet, sondern nur nach etwas Weitsicht bei der Entwicklung verlangt. In Wipr 2 ist das gegeben, und zwar von Anfang an und nicht nur als hohle Marketing-Floskel.
Egal, ob das Funktionen wie VoiceOver, Sprachsteuerung oder Textgröße sind, reduzierte Bewegungen oder erhöhter Kontrast, all das wird von Wipr 2 automatisch unterstützt. Sind die Funktionen zur Barrierefreiheit also in den Optionen vom iPhone oder auf eurem Mac aktiviert, berücksichtigt auch Wipr 2 selbige und passt sich automatisch an.
So etwas finde ich absolut vorbildlich und wichtig, gerade weil all das bei Apple sehr tief im System verankert ist. Apps und Websites können die Funktionen zur Barrierefreiheit problemlos berücksichtigen, tun es nur leider viel zu selten. Bei Wipr 2 ist das anders. Sicherlich auch, weil die Entwicklerin da sehr hinterher und in gewisser Weise als Transgender ebenfalls von Ausgrenzung betroffen ist. Umso schöner aber, dass sie alles Notwendige bei Wipr 2 berücksichtigt hat.
Eine glorreiche Zukunft
Wipr 2 hat sich im Laufe der Beta sehr stark weiterentwickelt und immer wieder verändert. Ursprünglich wurden die verschiedenen Blocklisten von Wipr auf nur eine einzige Erweiterung in Safari reduziert. Bedauerlicherweise gibt es aber einige Aspekte, die das im Release unmöglich machten, weshalb nun wieder mehrere Erweiterungen aktiviert werden müssen. Das ist auch deshalb schade, weil die reduzierte Variante aus der frühen Beta bei mir deutlich performanter lief. Das Problem ist hier aber Apple, nicht Wipr 2.
Auch die Möglichkeit, Werbung außerhalb von Safari zu blockieren, erwägt die Entwicklerin weiterhin. Aktuell bietet Apple das aber nicht offiziell an. Möglich wäre selbiges nur über ein virtuelles oder besser gesagt lokales VPN. Quasi ein Fake-Server, der alle Anfragen bearbeitet und dann systemweit blockiert. Wie NextDNS das macht, nur eben ohne externen Service. Das wäre im Hinblick auf die Privatsphäre aber heikel und würde Wipr 2 als AdBlocker zudem stark aufblähen.
Von VPN-Apps verlangt Apple zudem, dass ein verifiziertes Unternehmen als Entwickler eingetragen wird, keine Einzelperson. Die Entwicklerin hat also erst einmal darauf verzichtet, da die Hürde diesbezüglich sehr groß ist. In Zukunft könnte es aber noch Änderungen diesbezüglich geben.
Wipr 2 hat außerdem bereits in der Beta gezeigt, dass die Entwicklerin unglaublich interessiert und engagiert vorgeht, wenn es um neue Methoden zur Blockierung oder den technischen Fortschritt ihrer App geht. Bei Wipr 2 ist zudem mit jahrelangem Support zu rechnen, da schon der Vorgänger entsprechend umfangreich gepflegt wurde. Wipr 2 war schlichtweg notwendig, da der Unterbau veraltet erschien und eine Optimierung daher eine ganz neuen App erforderte.
Mein Fazit zu Wipr 2
Wipr 2 ist der logische Nachfolger von Wipr, ohne aber allzu viel anders zu machen. Gleichzeitig ist alles anders. Aber eben eher unter der Haube, wo ich es als Nutzer nur bedingt mitbekomme. Das ist auch gut so, denn auf diese Weise bleibt alles beim Alten. App kaufen, downloaden, sowohl unter iOS als auch MacOS installieren und nur einmalig im Safari Browser aktivieren. Das war schon alles. Wipr 2 funktioniert fortan im Hintergrund und blockiert Werbung innerhalb von Safari effektiv und stillschweigend.
Als kompletter Rewrite der App in SwiftUI wurde Wipr 2 an modernste Techniken angepasst und nutzt die neuesten Methoden, um Werbung, Tracker und mehr effektiv innerhalb von Safari zu blockieren und gleichzeitig so performant wie nur möglich zu arbeiten. Das merke ich dem minimalistischen AdBlocker auch an jeder Stelle an. Er funktioniert einfach erstaunlich gut, ohne dabei allzu großen Einfluss auf die Performance zu nehmen.
Schlussendlich kann ich Wipr 2 allen Nutzern von Apple-Geräten ans Herz legen. Schon der Vorgänger hat seitens der Entwicklerin unglaublich viel Liebe erfahren, ständig Updates erhalten (auch jetzt noch) und wurde vorbildlich gepflegt. Das wird, meiner Erwartung nach, bei Wipr 2 nicht anders sein und auch der Verzicht auf ein Abo, in Zeiten, in denen unzählige andere Entwickler diesen Weg gehen, ist unterstützenswert. Optionale Trinkgelder sind in der App als In-App-Kauf verfügbar und durchaus eine Überlegung wert, wenn ihr Wipr 2 für viele Jahre nutzt. Ich zahle da immer gerne freiwillig, unregelmäßig etwas für guten Support.
Persönlich war ich bei Wipr 2 sehr bewusst in der Beta mit dabei, habe den minimalistischen AdBlocker anschließend direkt vorbestellt und kann ihn jetzt, nach ausgiebiger Nutzung der Vollversion (auf mehreren Geräten) nur wärmstens weiterempfehlen. Wipr 2 ist nicht nur eine gute App und ein hervorragender AdBlocker, sondern kommt auch mit einem überaus fairen Geschäftsmodell daher, nämlich als Einmalkauf und Universal App. Wer einen schlanken AdBlocker sucht, der keine Probleme verursacht und vor allem nicht mit unzähligen Einstellungsmöglichkeiten nervt, der ist hier goldrichtig.