YouTube-Videos ohne Werbung (ohne AdBlocker)
Seit YouTube AdBlockern den Kampf angesagt hat, ist es gar nicht mehr so einfach, die Werbung in YouTube-Videos zu umgehen. Safari-Erweiterungen wie Wipr 2 schaffen es zwar auch weiterhin, vorwiegend durch regelmäßige Updates, und auch einige Methoden für ein minimalistisches YouTube funktionieren noch, doch insbesondere die alternativen Frontends für YouTube sind inzwischen fast vollständig gesperrt worden und somit nutzlos.
YouTube selbst sorgt dafür, dass ein regelrechter Abo-Zwang entsteht. Das große Problem dabei: Vielen, inklusive mir, ist es der Content auf YouTube einfach nicht wert, um dafür zu bezahlen. Kurze, minderwertige Videos oder Trailer, die selbst nur Werbung sind oder zusätzliche Werbung in Form von Produktplatzierungen enthalten, bezahle ich schließlich nicht mit einem zusätzlichen Abonnement. Die Extras, die YouTube mir bietet, sind für mich ebenfalls nutzlos. Die Plattform gibt sich allerdings viel Mühe, die gängigen Browser-Erweiterungen und Userscripts zu entlarven und zu sperren. Das funktionierte zuletzt auch immer wieder recht erfolgreich und machte das AdBlocking auf YouTube zu einem Katz-und-Maus-Spiel.
Außerdem ist es so, dass Safari-Erweiterungen mir nicht minimalistisch genug sind. Oft benötigen sie selbst eine Menge Ressourcen, starten Hintergrundaktivitäten (zum Beispiel, um die Filterliste bei AdBlockern zu aktualisieren) und wer Werbung schon via DNS (zum Beispiel mit NextDNS) blockiert, zieht kaum einen nennenswerten Vorteil aus ihnen. Dafür steigen die Ladezeiten auf Websites mitunter spürbar an und auch die Performance leidet, da AdBlocker gerne entschieden zu viele kosmetische Richtlinien verarbeiten und auch selbst eben viel Leistung beanspruchen. Ich habe daher eine neue Möglichkeit entwickelt, YouTube-Videos ohne Werbung anzusehen.
Embed-Trick für YouTube-Videos
Kürzlich habe ich festgestellt, dass Embed-Codes von YouTube, die direkt im Browser aufgerufen werden, keine Werbung anzeigen. Sie werden im normalen YouTube-Player gestartet, die Werbemarkierungen sind innerhalb der Timeline auch alle deutlich sichtbar, doch abgespielt werden die Videoanzeigen trotzdem nicht. Keine Werbung vor dem Video, keine Werbung in dem Video, keine Werbung, nachdem das Video vorbei ist.
Warum das so ist, weiß ich ehrlicherweise nicht. Allerdings teste und probiere ich diese Methode nun schon über ein halbes Jahr und bin mir sicher, dass sie dauerhaft funktioniert. Also war es an der Zeit, dies in Form eines entsprechenden Artikels mit euch zu teilen. Denn nichts ist so minimalistisch, wie vollständig auf Safari-Erweiterungen zu verzichten und YouTube-Videos ganz einfach per Knopfdruck werbefrei abzuspielen.
Ein Nachteil ist, dass der Embed-Code das Video im Vollbild anzeigt. Oder anders gesagt, im gesamten Browser-Fenster. Für mich ist das allerdings eher ein Vorteil, weil das Video dadurch sehr minimalistisch und fokussiert wiedergegeben wird. Ohne weitere Elemente wie Kommentare oder empfohlene Videos, die ansonsten ohnehin nur vom Inhalt ablenken. Möchte ich diese sehen, kann ich im Browser zudem schnell und einfach auf »zurück« klicken und gelange dann auf die ganz normale YouTube-Seite mit dem entsprechenden Video, den Kommentaren und Empfehlungen.
Aber wie genau funktioniert das alles denn nun und wie schaffe ich es, dass es mit einem Tastendruck erledigt ist? Denn wäre dem nicht so, wäre diese Methode viel zu kompliziert und technisch. Dann wäre sie im Alltag nicht brauchbar, da der Umweg zu groß ist. Zumal das Ganze auch auf dem iPhone problemlos funktionieren soll. Werbefreie YouTube-Videos möchte ich schließlich auf jeder Plattform genießen.
Per Tastendruck und Bookmarklet
Der Embed-Trick basiert auf einem von mir entwickelten Bookmarklet. Ein Bookmarklet ist ein Lesezeichen im Browser, welches nicht auf eine bestimmte Website verweist, sondern vielmehr Javascript enthält und beim Aufruf aktiviert. Das ist für sich genommen uninteressant, in Verbindung mit Websites dann aber hochgradig effektiv. Vor allem, um URLs wie die von YouTube-Videos in Embed-Codes zu verwandeln und somit das werbefreie Abspielen der YouTube-Videos zu ermöglichen.
Am besten ist, ich erkläre es euch noch einmal Schritt für Schritt, damit ihr die Funktionsweise des YouTube Bookmarklets von mir genauer versteht. Im Grunde ist es ganz einfach.
- Ihr entdeckt auf YouTube ein interessantes Video und klickt es an. Daraufhin werdet ihr auf die Videoseite weitergeleitet.
- Hier wird nun sofort die Werbung geladen, was ihr umgeht, indem ihr über eine Tastenkombination oder per Klick das Bookmarklet aufruft.
- Das YouTube-Video wird daraufhin in einen Embed-Code verwandelt und im gesamten Browser-Fenster eingebettet. Hier kann es werbefrei abgespielt werden.
- Habt ihr es angesehen, könnt ihr über die Zurück-Funktion des Browsers auf die YouTube-Website zurückkehren. Ganz einfach.
Damit das Bookmarklet jetzt auch entsprechend praktisch nutzbar ist und via Tastenkombination funktioniert, solltet ihr in den Einstellungen von Safari unter »Tabs« die Option »Verwende ⌘-1 bis ⌘-9, um die Tabs zu wechseln« deaktiviert haben. Wer das Bookmarklet dann nämlich auf Position 1 seiner Favoriten legt, kann es jederzeit mit der Tastenkombination ⌘ + 1 aktivieren. Somit müsst ihr auf YouTube nur noch die Tastenkombination drücken, um das Bookmarklet aufzurufen und schon genießt ihr das jeweilige YouTube-Video vollkommen werbefrei. Minimalistischer ist es wohl kaum möglich, die Werbung auf YouTube zu umgehen.
Bookmarklet zum Abspeichern
Um das YouTube AdBlock Bookmarklet zu nutzen, müsst ihr einfach nur den Code unten in einem Lesezeichen speichern. Das geht am einfachsten, indem ihr ein willkürliches Lesezeichen anlegt. Etwa diese Seite hier. Speichert sie als Lesezeichen in den Favoriten von Safari ab. Jetzt einen Rechtsklick auf das Lesezeichen machen und dort »Adresse bearbeiten« auswählen. Hier fügt ihr anschließend den folgenden Code ein und speichert das Ganze ab. Fertig ist das Bookmarklet.
javascript:(function()%7Bvar%20url=window.location.href;if(url.indexOf('youtube.com/watch?v=')!=-1)%7Bvar%20videoId=url.split('v=')%5B1%5D.split('&')%5B0%5D;var%20embedUrl='https://www.youtube-nocookie.com/embed/'+videoId;window.location.assign(embedUrl);%7Delse%7Balert('Dies%20ist%20kein%20g%C3%BCltiger%20YouTube-Link.');%7D%7D)();
Das Resultat könnt ihr direkt ausprobieren und testen, indem ihr ein beliebiges YouTube-Video mit Werbung öffnet. Klickt dann das Bookmarklet an oder nutzt die Tastenkombination, je nachdem, wo es in den Favoriten liegt. Jetzt sollte die Seite mit dem YouTube-Video sich entsprechend umwandeln und im Vollbild, also im gesamten Browser-Fenster, den Embed-Code mit dem Video anzeigen. Das Video kann hier nun werbefrei abgespielt werden.
Verbesserung der Privatsphäre
In der Theorie ist das schon alles. Faktisch lässt sich so natürlich noch die YouTube Nocookie URL generieren. Die verhindert, dass YouTube beim Embed zusätzliche Cookies setzt. Das verbessert die Privatsphäre. Wobei das nicht ganz stimmt, da ihr bei dieser Methode zuvor immer die normale YouTube-Website aufruft. Cookies werden also ohnehin gesetzt.
Das direkte Aufrufen ist aber auch ein Vorteil dieser Variante. Statt AdBlocker-Erkennung und Drosselung der Performance (was YouTube gerne versucht, wenn AdBlocker erkannt werden), geht alles über die gewohnte und bekannte YouTube-Seite. Kein alternatives Frontend mehr, was nur bedingt zuverlässig funktioniert, keine Umwege mehr und keine fehlenden Funktionen durch den AdBlocker oder das verwendete Userscript. Es ist das normale YouTube-Video, nur eben als Embed und ohne Werbung. Warum diese dort nicht wiedergegeben wird, ist mir selbst noch ein Rätsel.
Meine Theorie bei der Verwendung einer YouTube Nocookie URL ist übrigens, dass es über diesen Weg ebenfalls wieder ein wenig minimalistischer ist. Oder besser gesagt: Wo kein Cookie gesetzt werden muss, geht alles automatisch etwas schneller. Die Nocookie URL zu verwenden ist also eher ein zusätzlicher Trick, um eine noch bessere Performance bei den Embeds zu erreichen, als wirklich eine Verbesserung der Privatsphäre. Denn wie zuvor erwähnt, der Cookie wurde ohnehin schon beim Aufrufen von YouTube selbst gesetzt.
Ohne AdBlocker ist es immer effektiver
Für mich funktioniert diese Methode seit über einem halben Jahr. Bevor ich etwas dazu schreibe, wollte ich sie aber selbst ausgiebig testen. Außerdem nutze ich bekanntlich NextDNS als AdBlocker auf DNS-Ebene und benötige daher keinen weiteren AdBlocker. So genial ich Wipr 2 also auch finde und so gerne ich ihn als AdBlocker für Safari empfehle, so sehr verlangsamt er auch viele Websites und benötigt selbst einiges an Ressourcen. Tatsächlich hatte ich ihn selbst zuletzt nur noch für YouTube aktiv.
Mittlerweile habe ich Wipr 2 aber wieder entfernt. Nicht, weil der AdBlocker schlecht ist. Im Gegenteil. Die Entwicklerin bringt derart viele Updates, dass es eine wahre Freude ist, wie gut das Ganze funktioniert. Aber es bringt mir einfach nichts mehr. Zudem verlangsamt der AdBlocker Safari an vielen Stellen und sorgt dafür, dass der Browser selbst einfach schlechter läuft und langsamer startet. NextDNS mit den entsprechenden Einstellungen und Denyliste (gegen Cookie-Banner) funktioniert bereits hervorragend. Es braucht also keinen weiteren AdBlocker mehr. Außer eben für YouTube. Doch der ist nun auch nicht mehr notwendig, dank meines Bookmarklet.
Für Vielseher auf YouTube mag der Weg etwas zu umständlich sein. Für mich allerdings, der nur gelegentlich mal ein Video ansieht, reicht er vollkommen aus. Es ist eine überaus minimalistische Methode, um YouTube ohne Werbung und zugleich ohne AdBlocker zu schauen. Eine persönliche Empfehlung für Minimalisten, die denken wie ich. Am besten in Kombination mit NextDNS.